Bruno Schwebel

Maler, Schriftsteller, Schauspieler, Schachmeister

* 1928   † 2011

 

Kindheit, Flucht nach Frankreich

Bruno Schwebel wurde am 16. September 1928 in Wien geboren. Sein Vater Theodor Schwebel war Jude und auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs.
Ab 1934 lebte die vierköpfige Familie im Haus des Großvaters in Neulengbach.

Nur kurze Zeit nach der Reichskristallnacht floh Theodor Schwebel gemeinsam mit seinem Sohn Helmut. Sie gelangten illegal über die französisch-deutsche Grenze in Lauterbourg nach Frankreich. Währenddessen blieben Bruno Schwebel und seine Mutter Theresa in Purkersdorf. Innerhalb weniger Wochen galt es, die Möbel und Haushaltsgegenstände zu verkaufen und sich auf die Reise vorzubereiten.

Mutter und Sohn verließen Wien am 10. Dezember 1938 mit dem Zug, wobei sie der gleichen Route wie schon dem Vater Theodor und dem Bruder von Bruno, Helmut, folgten. Sie erreichten Paris am 22. Dezember 1938.

Bruno und sein Bruder kamen in einem Heim für jüdische Kinder in Montmorency, nahe Paris, unter. Dieses wurde von einer internationalen Organisation, der OSE, betrieben. Brunos Mutter fand Arbeit in diesem Heim.

Visa für Mexiko, Möglichkeit der Einreise

Im Juni 1940, als sich die deutschen Truppen Paris näherten, floh die Familie nach Montauban im Süden Frankreichs. Als Brunos Vater, der für einige Zeit in einem französischen Konzentrationslager inhaftiert war, dieses verlassen durfte, und zur Familie stieß, war es das wichtigste Ziel der Familie Schwebel, Visa für welches Land auch immer zu bekommen. Nachdem die Quoten für die Vereinigten Staaten oder England erfüllt waren, blieben Mexiko oder Neuseeland als mögliche Destinationen.

Am 6. November 1941 übergab der mexikanische Konsul in Marseille der Familie die Visa für Mexiko. Die mexikanische Regierung vertrat eine antifaschistische Position, sodass zahlreiche Familien, die von einem faschistischen System bedroht wurden, die Möglichkeit der Einreise bekamen.

Einzigartige Position von Mexiko

Welch einzigartige Position Mexiko einnahm erschließt sich auch daraus, dass es 1938 das einzige Land war, welches vor dem Völkerbund gegen den sogenannten Anschluss Österreichs an Nazideutschland protestierte . Umso mehr ist zu verstehen, dass Mexiko jüdischen und politischen Flüchtlingen aus Österreich Aufnahme gewährte.

Kunststudium, technischer Direktor, Schauspieler und Schachmeister

In den 1940´er Jahren studierte Bruno Schwebel in der Escuela Artes de Libor Mexiko-Stadt Linol- und Holzschnitt, Lithographie, Gravierkunst, Radierung und andere Drucktechniken. Weiters absolvierte er auch ein Elektroingenieur-Studium an einer Technischen Hochschule. Seit seiner künstlerischen Ausbildung widmete er sich der Malerei.

Bruno Schwebel war vielseitig begabt. So stieg er beim privaten Fernsehsender Televisa zum technischen Direktor auf, arbeitete als Schauspieler in Fernsehproduktionen mit, spielte Akkordeon und inszenierte Theaterstücke. Er war auch begeisterter Schach-Spieler und brachte es hierbei zum Schachmeister von Mexiko-Stadt.

Schriftsteller, Memoiren "Das andere Glück"

In den 1970´er Jahren widmete sich Bruno Schwebel verstärkt dem Schreiben. Es erschienen mehrere Bände seiner Kurzgeschichten in mexikanischen Verlagen. Als einer der wenigen Exilautoren schrieb er auf Spanisch - der Sprache jenes Landes, das ihn gerettet hatte und das zu seiner neuen Heimat geworden war. Die Erzählungen wurden mehrfach preisgekrönt.

Die Memoiren von Bruno Schwebel wurden schließlich ins Deutsche übersetzt und erschienen im Jahre 2004 unter dem Titel “Das andere Glück” im Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft.

Bruno Schwebel über seine Erinnerungen an Wien-Brigittenau

“An viel kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich lebte in der Donaueschingenstraße, das war ein Gemeindebau. Es waren friedliche Tage. Mein Vater hatte Arbeit. Wir gingen oft auf die Donauwiese oder machten auf den Kahlen- oder Bisamberg Ausflüge. Ich erinnere mich an einen Eisverkäufer am Allerheiligenplatz, da musste man die Stiegen hinunter steigen. Dieses Lokal existiert heute noch, ist aber kein Eisgeschäft mehr. 1934 wurde mein Vater arbeitslos und wir gingen nach Neulengbach.”

Bruno Schwebel über seine Erinnerung daran, wann sich das offizielle Österreich an ihn erinnert und eingeladen hat

“Das weiß ich nicht mehr. Irgendwann in den 90er-Jahren. Ich möchte das Wort „Gutmachung“ nicht verwenden. Ich habe vor 5 oder 6 Jahren eine fixe Geldsumme bekommen. Leute, die nach 1938 ein Vermögen, ein Haus oder Grundstück verloren haben, bekommen auch einen gewissen Betrag zurück, aber wie das funktioniert, weiß ich nicht genau. Ich habe nichts zu reklamieren. Vielleicht das Grundstück in Neulengbach. Aber das zahlt sich nicht aus. Ich habe einen Cousin in Amerika, der diesbezüglich initiativ ist. Da wird aber nicht viel dabei herausschauen. Wahrscheinlich gar nichts.”

Bruno Schwebel darüber, wie er Schachmeister geworden ist

“Die Technische Hochschule war im Zentrum von Mexico-City. In der Nähe gab es ein Schachzentrum und mehrere Plätze, wo man Schach spielen konnte. Dort habe ich gut Schach spielen gelernt und dann auch um Geld gespielt. Dann begann ich auch bei Turnieren zu spielen. Der Höhepunkt meiner Schachkarriere war 1959/60. Ich habe viele Jahre lang Fernschach gespielt. Da hat man mit Schachfreunden aus aller Welt gespielt: Ein Zug pro Brief. Da dauerte eine Partie zwei Jahre. Aber wie das mit dem Computerschach aufgekommen ist, hat das an Reiz verloren. Denn wer das bessere Computerprogramm hatte, konnte natürlich den besseren Zug planen. Jetzt spiele ich immer noch gerne 2 bis 3 Mal in der Woche Blitzpartien und so. Das macht mir Spaß. Ob ich gewinne oder verliere ist mir nicht mehr so wichtig.”

Lesung und Vernissage von Bruno Schwebel, Stimmung vor der Eröffnung (2005)

Lesung und Vernissage von Bruno Schwebel, Dr. Konstantin Kaiser über den Maler Bruno Schwebel (2005)

Anlässlich einer Lesung und einer Vernissage von Bruno Schwebel sprach Dr. Konstantin Kaiser über den Maler Bruno Schwebel

Vernissage und Lesung von Bruno Schwebel, Dr. Konstantin Kaiser über Bruno Schwebel, Teil 2 (2005)

Vernissage und Lesung von Bruno Schwebel, Dr. Konstantin Kaiser über Mexiko (2005)

Tod

Bruno Schwebel starb am 21. Februar 2011 in Mountain View, Kalifornien.

Weblinks

Wir erinnern uns

Sie sind eingeladen, Ihre persönliche Erinnerung an
Bruno Schwebel nieder zu schreiben.

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